Zur Übersicht: Amt für angewandte Projektvernunft

Amt für angewandte Projektvernunft · Anhang

Denkquellen

Sechs Quellen haben unser Denken geprägt. Wir führen sie hier auf, damit Sie nachvollziehen können, woher unsere Begriffe kommen, auch wenn Sie die Bücher nicht gelesen haben.

Zwei Sätze vorweg. Das sind Denkquellen und keine Belege. Nur eine davon stützt sich teilweise auf experimentelle Forschung, und auch dort mit Einschränkungen. Wo wir etwas als belegt bezeichnen, stützen wir uns auf Untersuchungen und nicht auf diese Bücher; sie stehen unter „Belege, Thesen und offene Fragen“.

Jim Collins: Good to Great

Was das Buch sagt. Collins untersuchte Unternehmen, die über Jahre den Sprung von guter zu herausragender Leistung schafften, und verglich sie mit ähnlichen Unternehmen, die den Sprung nicht schafften.

Was wir übernehmen:

  • den Gedanken, dass Technologie beschleunigt und nicht auslöst,
  • das Klima, in dem die Wahrheit gehört wird, mit den vier Gewohnheiten dazu,
  • die Vergleichslogik, also die Gewohnheit zu sagen, womit man etwas verglichen hat. (Kapitel 8)

Was wir nicht übernehmen. Die Methode als Beweisführung. Der Kritik zufolge fehlt es an wissenschaftlicher Strenge, die Anlage ist anfällig für Bestätigungsfehler, und die Auswahl erfolgte über das Ergebnis. Mehrere der untersuchten Unternehmen sind später gescheitert. Collins erklärt das mit dem Abweichen von den Prinzipien, was plausibel, aber keine unabhängige Bestätigung ist.

Stephen Covey: The Speed of Trust

Was das Buch sagt. Vertrauen ist kein weiches Thema, sondern ein Geschwindigkeitsfaktor. Wo es fehlt, wird alles langsamer und teurer. Wo es vorhanden ist, geht vieles ohne Absicherung.

Was wir übernehmen. Den Gedanken, dass Vertrauen durch Erfahrung entsteht und nicht durch Zusicherung. Er trägt unseren Ansatz, eine Zusammenarbeit früh an einem klar begrenzten ersten Arbeitsschritt praktisch erlebbar zu machen.

Was wir nicht übernehmen. Den Anspruch auf Messbarkeit. Es ist ein Managementbuch derselben Machart wie das von Collins.

Steve de Shazer: lösungsorientierte Kurztherapie

Was der Ansatz sagt. Wer eine Veränderung will, muss das Problem nicht zergliedern. Er beschreibt stattdessen die Lösung. Die Wunderfrage lädt dazu ein, sich eine Zukunft vorzustellen, in der die Schwierigkeit gelöst ist.

Was wir übernehmen. Die Haltung, dass die Mittel zur Lösung bereits vorhanden sind, und die zweite Blickrichtung in Kapitel 12.

Was wir nicht übernehmen. Den Verzicht auf Verstehen. De Shazer arbeitet mit Menschen an Veränderung. Diese Seiten richten sich an Menschen, die über eine Investition entscheiden, und diese Entscheidung braucht Verständnis der Zusammenhänge, sonst ist sie nicht die eigene.

Der Potenzialblick

Was er sagt: Man schaut auf das Bestehende und fragt,

  • was gut ist und bewahrt werden soll,
  • was gut ist und sehr gut werden könnte,
  • was schwach ist und Stärkung verdient,
  • was gehen darf oder fehlt.

Was wir übernehmen. Die erste Blickrichtung in Kapitel 12 und die Grundhaltung des ganzen Amts: Wir beginnen nicht mit dem, was fehlt.

Was wir nicht übernehmen. Nichts, aber wir behaupten auch keine Beweiskraft. Es ist eine Haltung.

Simon Sinek: der goldene Kreis

Was das Buch sagt. Wirksame Organisationen denken von innen nach aussen, vom Warum über das Wie zum Was.

Was wir übernehmen. Den Grundgedanken der Reihenfolge. (Kapitel 5)

Was wir nicht übernehmen. Die Weite der Begriffe. Wir fassen sie enger, unser Wie ist Governance. Die genaue Abgrenzung steht im Glossar. Für den goldenen Kreis gibt es keine starke empirische Grundlage.

Daniel Kahneman: Schnelles Denken, langsames Denken

Was das Buch sagt. Menschliches Urteilen folgt Mustern, die in vielen Lagen nützlich und in anderen systematisch irreführend sind.

Was wir übernehmen:

  • Innensicht gegen Aussensicht und den Planungsfehlschluss.
  • Die Bedingungen, unter denen Intuition verlässlich ist, aus der gemeinsamen Arbeit von Kahneman und Gary Klein. Projekte erfüllen diese Bedingungen schlecht, weil jedes Vorhaben anders ist und die Rückmeldung spät kommt. Das ist keine Schwäche erfahrener Menschen, sondern eine Eigenschaft der Aufgabe.
  • Die versunkenen Kosten.
  • Die Beobachtung, dass Sicherheit als Kompetenz gelesen wird. (Kapitel 8)

Was wir nicht übernehmen:

  • Das Kapitel über Priming. Eine Untersuchung der dort zitierten Studien kam zu einer sehr niedrigen geschätzten Replikationswahrscheinlichkeit, und Kahneman hat öffentlich eingeräumt, zu viel Vertrauen in unterversorgte Studien gesetzt zu haben.
  • Das Begriffspaar System eins und System zwei. Wir verwenden es nicht, es ist in der Beratungssprache abgenutzt.