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Amt für angewandte Projektvernunft · Kapitel 1 von 12

Zwei Organisationslogiken: Linie und Projekt

Jede Organisation braucht stabile Linienstrukturen und die Fähigkeit, zeitlich begrenzte Projekte zu führen. Beides kann Teil des Kerngeschäfts sein.

Die Linie

Eine Organisation braucht eine dauerhafte Stammorganisation mit klaren Verantwortlichkeiten, Prozessen und Wissen. In der Fachsprache ist das die Linie. Sie schafft Stabilität und trägt das wiederkehrende Können der Organisation. Zur Linie gehört auch das Kerngeschäft, selbst wenn Teile dieses Kerngeschäfts projektförmig erbracht werden.

Die Projektlogik

Daneben steht die Projektlogik. Ein Projekt ist ein zeitlich begrenztes Vorhaben mit einem spezifischen Ergebnis und einer eigenen Koordinationsaufgabe. Es kann eine Veränderung in der eigenen Organisation sein. Es kann aber ebenso ein Kundenauftrag im Kerngeschäft sein, wenn dieser wegen seiner Einmaligkeit, Spezialisierung und bereichsübergreifenden Zusammenarbeit als Projekt geführt wird.

Wenn auf diesen Seiten vom „Neuen“ die Rede ist, meint das deshalb die Besonderheit des konkreten Vorhabens – nicht automatisch ein Change Business.

Wie sich beide Logiken stützen

Linie und Projektlogik stützen sich gegenseitig. Interne Veränderungsprojekte müssen ihre Ergebnisse in die Stammorganisation überführen. Projektförmige Kundenaufträge wiederum brauchen stabile Prozesse, Rollen und Wissen aus der Linie, damit sie verlässlich und wirtschaftlich abgewickelt werden können. Eine gesunde Organisation beherrscht beide Logiken und weiss, wie sie miteinander verzahnt werden.

Wo der Kern liegt

Eingespielte Linienprozesse beherrschen viele Unternehmen gut. Der geordnete Umgang mit Projekten ist dagegen oft stärker personenabhängig. Das gilt sowohl für Veränderungsvorhaben als auch für Unternehmen, deren Kundenaufträge zunehmend als Projekte geführt werden. Warum das lange trotzdem funktioniert und wann es nicht mehr reicht, davon handelt das nächste Kapitel.