HR & Rekrutierung
Menschen entscheiden über den Erfolg jeder Veränderung. Ihre Prozesse nicht.
Der Ausgangspunkt guten Recruitings ist nicht die offene Stelle, sondern die Aufgabe, die tatsächlich gelöst werden muss.
Eine Organisation stellt zehn neue Mitarbeitende ein. Die Stellenbeschreibungen sind professionell, die Bewerbungsprozesse standardisiert, die Verträge rechtssicher.
Ein Jahr später sind vier davon wieder weg. Nicht weil sie inkompetent waren. Sondern weil nie geklärt wurde, welche Aufgabe tatsächlich gelöst werden muss, welche Verantwortung damit verbunden ist und ob die Organisation bereit ist, diese Menschen wirklich einzubinden.
Der Ausgangspunkt ist nicht automatisch eine offene Stelle. Es ist die Aufgabe, die gelöst werden muss.
Warum Recruiting häufig das falsche Problem löst
Viele Unternehmen beginnen Recruiting mit einer Stellenausschreibung. Das klingt logisch, ist aber oft der zweite Schritt vor dem ersten.
Die eigentliche Frage lautet: Welche Aufgabe muss gelöst werden? Erst daraus lassen sich die benötigten Verantwortlichkeiten und Kompetenzen ableiten. Eine Kompetenzlücke kann durch Entwicklung bestehender Mitarbeitender, veränderte Verantwortlichkeiten, Recruiting, externe Spezialkompetenz oder geeignete digitale Unterstützung geschlossen werden.
Wer automatisch mit einer Stellenausschreibung beginnt, überspringt die wichtigste Frage.
Menschen sind mehr als ihr Lebenslauf
Im Recruiting wird ein Mensch nicht auf Lebenslauf, einzelne Merkmale oder einen automatisierten Score reduziert. Fähigkeiten, Erfahrungen, Motivation, Lernbereitschaft und Entwicklungspotenzial werden im Zusammenhang betrachtet.
Menschen besitzen Würde und Potenzial. Potenzial ist dabei keine romantische Behauptung, sondern die Möglichkeit, neue Fähigkeiten, Perspektiven und Formen der Verantwortung zu entwickeln.
Wir reduzieren Menschen nicht auf ihren aktuellen Zustand. Potenzial wird durch freiwillige Entwicklung wirksam.
Veränderung braucht Freiwilligkeit
Nachhaltige Veränderung in Teams kann nicht erzwungen werden. Druck kann Verhalten kurzfristig verändern, aber keine innere Bereitschaft ersetzen. Führung darf Klarheit schaffen, Konsequenzen benennen und herausfordern. Sie darf Menschen jedoch nicht manipulieren oder ihre Entscheidungsfreiheit umgehen.
Das gilt auch bei der Integration neuer Mitarbeitender. Ein Onboarding-Prozess, der auf Papier perfekt aussieht, aber keine echte Einbindung in Entscheidungen ermöglicht, erzeugt Fluktuation, nicht Zugehörigkeit.
Die Qualität der Zusammenarbeit
Ob ein neues Teammitglied wirksam wird, hängt weniger vom Recruiting-Prozess ab als von der Frage, ob die Zusammenarbeit ehrlichen Austausch tatsächlich ermöglicht.
Können Menschen respektvoll widersprechen? Dürfen sie Unsicherheiten aussprechen? Müssen sie Fehler verstecken? Wird Kritik an einer Aussage mit Ablehnung der Person verwechselt?
Wenn diese Bedingungen nicht stimmen, wird kein Recruiting-Prozess die richtigen Menschen halten.
Was das für Sie bedeutet
Wenn Ihre Fluktuation hoch ist, liegt es wahrscheinlich nicht an den falschen Menschen. Es liegt an ungeklärten Aufgaben, unklaren Verantwortlichkeiten oder einer Zusammenarbeit, die Ehrlichkeit nicht ermöglicht.
Woran liegt es, wenn Menschen Ihr Unternehmen früher verlassen als geplant?