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Amt für angewandte Projektvernunft · Anhang
Belege, Thesen und offene Fragen
Zu Beginn haben wir gesagt, dass Sie jederzeit erkennen sollen, welche Art von Aussage Sie gerade lesen. Hier steht alles zusammen.
Ein Papier, das seine eigenen Grenzen kennt, ist im Gespräch mehr wert als eines, das jede Frage beantwortet. Dass wir auch aufschreiben, was wir nicht wissen, halten wir deshalb für keinen Makel.
Was belegt ist
- Die Grundidee bekommt weniger Mittel als die Umsetzung. Organisationen verwenden weniger Mittel darauf, die richtige Grundidee zu finden, als darauf, die Umsetzung zu verbessern. Beschrieben von Knut Samset und Gro Holst Volden. (Kapitel 8)
- Politische Erklärungen für Kostenüberschreitungen. Sie gelten in der Forschung zu Kostenüberschreitungen weithin als Hauptursache – mit der Einschränkung, dass diese Erklärung selbst umstritten ist. (Kapitel 8)
- Reife ersetzt keine Kultur. Projektmanagement-Reife ersetzt die Kultur einer Organisation nicht. Eine Untersuchung mit 86 Projektfachleuten fand einen Zusammenhang zwischen Reife und Geschäftsleistung, aber nicht zwischen Reife und Projektleistung. (Kapitel 7)
- Unterbrechungen kosten Zeit. Das Zurückholen der Aufmerksamkeit nach einer Unterbrechung dauert im Durchschnitt rund 23 Minuten, nach den Untersuchungen von Gloria Mark. (Kapitel 4)
- Lessons Learned werden erfasst, aber kaum genutzt. Ein formaler Prozess für Lessons Learned existiert in vielen Organisationen, wird aber nur von einem Bruchteil auch angewendet. (Kapitel 6)
Was unsere These ist
- Veränderung wird aus der Marge bezahlt. Veränderung wird aus der Marge des laufenden Geschäfts bezahlt, und ein ungeordneter Umgang mit dem Neuen verbrennt einen Teil dieser Marge ohne Wirkung.
- Ein gutes Angebot löst echte Bedürfnisse. Ein gutes Angebot löst echte Bedürfnisse echter Menschen, die diese nicht selbst befriedigen können. Das ist eine Wertaussage, keine empirische Behauptung, und sie steht bewusst am Anfang des ersten Klärungsfelds. (Kapitel 5)
- Das Modell der Abstimmungswege. Das vereinfachte Modell zur Zunahme von Abstimmungswegen zeigt eine Grössenordnung und ist kein Naturgesetz. (Kapitel 2)
- Die Staffelung nach Unternehmensgrösse. Sie ist Erfahrungswert aus unserer Arbeit und keine Studie. (Kapitel 2)
Was offen ist
- Zahlt sich systematisches Projektmanagement aus? Ob sich die Investition in systematisches Projektmanagement auf Unternehmensebene auszahlt, wissen wir nicht. Wir haben keine Untersuchung gefunden, die Unternehmen mit systematischem Projektmanagement sauber gegen solche ohne stellt. Die Reifegradforschung ist uneinheitlich, beruht überwiegend auf Selbstauskünften und hat ein Auswahlproblem, weil sich investierende Unternehmen ohnehin von anderen unterscheiden. Ein Befund ist trotzdem brauchbar: Der Ertrag ist am grössten, wenn man von einem tiefen Niveau aus den nächsten Schritt macht, und nimmt auf hohen Stufen ab. (Kapitel 7)
- Werden Entscheidungen besser? Ob ein geordneter Umgang mit dem Neuen über die Vorphase hinaus auch die Qualität von Entscheidungen verbessert, ist offen. Wir vermuten es, wir können es nicht belegen.
- Ändert Sichtbarkeit etwas an Machtverhältnissen? Wir wissen, dass Sichtbarkeit Verzerrungen sichtbar macht. Ob eine Organisation daraufhin anders entscheidet, wissen wir nicht. (Kapitel 8)
Zu unseren Denkquellen
Die Bücher, die unser Denken geprägt haben, stehen unter „Denkquellen“. Sie sind Denkquellen und keine Belege. Wo wir uns auf Untersuchungen stützen, nennen wir die Untersuchung und nicht das Buch, das sie populär gemacht hat.