Radical Change
Rapid Change reicht nicht mehr: Warum Unternehmen heute Radical Change brauchen
Rapid Change optimiert Anpassungsfähigkeit. Radical Change schafft Entwicklungsfähigkeit.
Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren gelernt, schneller zu werden: schnellere Entscheidungen, schnellere Freigaben, schnellere Reaktion auf Marktveränderungen. Das war notwendig – und es reicht nicht mehr. Wer heute nur schneller wird, ohne sich zu fragen, ob die eigenen Fähigkeiten überhaupt noch zum Ziel passen, optimiert am falschen Ende.
In der Praxis sieht das oft so aus: mehr Projekte laufen parallel, mehr Tools sind im Einsatz, aber Entscheidungen brauchen trotzdem länger. Verantwortung ist über mehrere Rollen verteilt, ohne dass jemand sie wirklich trägt. Am Ende der Berichtsperiode gibt es viel Aktivität – aber wenig, das sich als tatsächliche Wirkung zeigen lässt. Genau in dieser Lücke setzt Radical Change an.
Reality Check: ein erster Blick auf die eigene Situation
Bevor es um Modelle und Begriffe geht, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die eigene Organisation. Sechs Fragen, die sich die meisten Führungsteams in wenigen Minuten beantworten können:
Wo verlieren wir heute Zeit, weil Entscheidungen zu lange brauchen? Welche wichtige Veränderung bleibt seit Monaten im Konzept stecken? Wo versuchen wir, ein strukturelles Problem mit einem neuen Tool zu lösen? Welche Fähigkeiten fehlen uns tatsächlich? Ist die Verantwortung für die Umsetzung wirklich geklärt? Und: Welche Initiative erzeugt Aktivität, aber kaum Wirkung?
Wer bei zwei oder mehr dieser Fragen zögert, steht wahrscheinlich vor einer Radical-Change-Situation – unabhängig davon, wie das Vorhaben intern genannt wird.
Was bedeutet Rapid Change?
Rapid Change beschreibt Situationen, in denen sich die äusseren Bedingungen so schnell verändern, dass Unternehmen kurzfristig handlungsfähig bleiben müssen: eine Marktverschiebung, ein regulatorischer Eingriff, ein Technologiesprung, eine Krise. Der Begriff richtet sich auf Geschwindigkeit und Anpassungsdruck – auf das Tempo, mit dem reagiert werden muss, nicht primär auf die Frage, wie tief die Veränderung gehen muss.
Warum Geschwindigkeit heute nicht mehr genügt
Schnelligkeit allein sagt nichts darüber aus, ob eine Organisation in die richtige Richtung läuft. Ein Unternehmen kann sehr schnell reagieren und trotzdem an den eigenen Zielen vorbeilaufen, wenn seine Fähigkeiten nicht mehr zu dem passen, was morgen gebraucht wird. Reine Anpassungsgeschwindigkeit optimiert den Umgang mit der Gegenwart, nicht die Eignung für die Zukunft.
Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht nur, wie schnell ein Unternehmen reagiert, sondern: Ist unser Unternehmen mit seinen heutigen Fähigkeiten überhaupt noch dafür gebaut, das zu erreichen, was wir morgen erreichen müssen?
Rapid Change versus Radical Change
Rapid Change optimiert Anpassungsfähigkeit: schneller entscheiden, schneller ausliefern, schneller reagieren. Radical Change schafft Entwicklungsfähigkeit: die Fähigkeit einer Organisation, ihre eigenen Fähigkeiten laufend an neue Ziele anzupassen, statt nur ihr Tempo zu erhöhen. Radical Change ist damit keine Steigerung von Rapid Change, sondern eine andere Ebene: Rapid Change fragt, wie schnell reagiert wird. Radical Change fragt, ob die richtigen Fähigkeiten überhaupt vorhanden sind, um auf das Richtige zu reagieren. Radical Change ist als eigenständige Perspektive von Hosang Consulting zu verstehen, nicht als etabliertes wissenschaftliches Standardframework.
Drei Beispiele machen den Unterschied greifbar. Geschäftsmodell: Die Rapid-Change-Frage lautet „Wie schnell können wir ein neues Angebot ausrollen?“, die Radical-Change-Frage „Verfügen wir überhaupt über die Fähigkeiten, mit diesem Angebot dauerhaft ein neues Kundensegment zu bedienen?“. Organisation: Rapid Change fragt „Wie beschleunigen wir unsere Freigabeprozesse?“, Radical Change fragt „Sind Entscheidungsrechte und Verantwortung überhaupt so verteilt, dass die richtigen Personen die richtigen Entscheidungen treffen können?“. KI: Rapid Change fragt „Wie automatisieren wir diese Aufgabe schneller?“, Radical Change fragt „Welche Fähigkeit braucht unsere Organisation künftig, und soll sie von einem Menschen, einem Team oder einem Agenten bereitgestellt werden?“.
Was Radical Change nicht ist
Radical Change ist kein hektischer Grossumbau, kein KI-Projekt um der KI willen und kein neues Transformationsprogramm mit 80 Folien. Es ist kein Aktionismus, der Betriebsamkeit mit Fortschritt verwechselt, und keine Veränderung, die ohne benannte Verantwortliche und ohne Umsetzungsplan bleibt.
Radical Change bedeutet, die notwendige Veränderung dort anzusetzen, wo Fähigkeiten, Verantwortung, Entscheidungswege oder Umsetzungslogik nicht mehr zum angestrebten Ziel passen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Von VUCA über BANI zu SALTER
Seit den 1990er-Jahren nutzen Organisationen das Akronym VUCA (volatil, unsicher, komplex, mehrdeutig), um zu beschreiben, warum klassische Planung an ihre Grenzen stösst. 2020 folgte BANI (brittle/brüchig, anxious/ängstlich, nonlinear, incomprehensible/unbegreiflich), das stärker die psychologische und strukturelle Fragilität heutiger Systeme in den Blick nimmt.
Auf dieser Linie liegt SALTER: ein Orientierungsrahmen, den David Fiorucci mit seinem Unternehmen LP3 (Biel/Bienne) entwickelt hat und der sich selbst als Weiterentwicklung von VUCA und BANI versteht. SALTER beschreibt in sechs Buchstaben sechs Bruchlinien der Gegenwart – unter anderem Reizüberflutung, den Verlust von Authentizität durch Bildschirme und Algorithmen, instabile Rollen und Identitäten, gesellschaftliche Lagerbildung, das Ausweichen vor Verantwortung und den Bruch mit Sinn und Zusammenhalt – und ordnet jeder davon eine Gegenbewegung zu.
SALTER als externer Orientierungsrahmen
Wir ordnen SALTER positiv und respektvoll als eigenständigen, ernstzunehmenden Beitrag zur Diskussion um VUCA und BANI ein – als Sprache für etwas, das viele Führungskräfte spüren, ohne es benennen zu können.
Verbindliche Abgrenzung: Radical Change und QUENARIS sind keine Umsetzung von SALTER, sondern eine eigenständige, anschlussfähige Perspektive auf die Entwicklungsfähigkeit von Unternehmen. Es besteht keine Partnerschaft, keine technische Integration und kein gemeinsames Produkt mit LP3 oder SALTER.
Radical Change beginnt bei Ziel und Fähigkeiten
Radical Change beginnt bewusst nicht beim Organigramm, nicht bei einem Prozess und nicht bei einer Technologie. Der Ausgangspunkt ist eine einzige Frage: Was muss das Unternehmen künftig können, um seine Ziele zuverlässig zu erreichen? Erst danach stellt sich die Frage, welche Struktur, welcher Prozess oder welche Technologie diese Fähigkeit am besten bereitstellt.
Unternehmen als Fähigkeitssysteme
Aus dieser Perspektive ist ein Unternehmen kein Organigramm, sondern ein System von Fähigkeiten: Menschen, Teams, klassische Software, Automatisierung und zunehmend Agentic AI stellen gemeinsam bereit, was eine Organisation können muss. Entwicklungsfähigkeit bedeutet, dieses System bewusst zu gestalten und laufend anzupassen, statt es nur historisch wachsen zu lassen.
Agentic AI verändert, wer Fähigkeiten bereitstellt
Agentic AI verändert diese Betrachtung grundlegend. Sie ist mehr als ein weiteres Automatisierungswerkzeug: Sie verändert potenziell die Architektur organisationaler Fähigkeiten selbst – also die Frage, wer oder was eine bestimmte Fähigkeit künftig bereitstellt.
Die entscheidende Managementfrage lautet: Welche Fähigkeit benötigt die Organisation, und wer oder was stellt diese Fähigkeit künftig bereit – ein Mensch, ein Team, klassische Software, Automatisierung oder ein Agent?
Menschliche Verantwortung bleibt dabei zentral. Agentic AI kann Informationen zusammenführen, Optionen aufbereiten und Aufgaben ausführen – sie entscheidet nicht autonom über geschäftskritische Verantwortung. Diese bleibt bei den zuständigen Menschen.
QUENARIS als Softwarelösung und Denkwerkzeug
QUENARIS ist im Auftrag von Hosang Consulting keine reine Unternehmensberatung, sondern eine Softwarelösung: ein Werkzeug zur Veränderung von Denkprozessen und ein System, das Unternehmensentwicklung über die Zeit sichtbar macht.
QUENARIS verbindet Ziele, benötigte Fähigkeiten, vorhandene Fähigkeiten, Wahrnehmungen, Informationen, Entscheidungen, Wissen, Aufgaben, Umsetzung, Lernen und Anpassung zu einem zusammenhängenden Bild. Statt Fähigkeiten und Entscheidungen isoliert zu betrachten, macht QUENARIS ihre Beziehung zueinander sichtbar.
Das QUENARIS Operation Center und Entwicklung über die Zeit
Das QUENARIS Operation Center ist die Ebene, auf der Entwicklungs- und Entscheidungsverläufe über die Zeit abgebildet werden. Es zeigt nicht nur einen Zustand, sondern eine Entwicklung: welche Ziele galten, welche Fähigkeiten dafür vorhanden waren, welche Entscheidungen getroffen wurden und wie sich das Unternehmen dadurch verändert hat. Interne Architektur- und Agentendetails, die nicht öffentlich freigegeben sind, werden an dieser Stelle bewusst nicht beschrieben.
Wie wir solche Situationen angehen
Ein Radical-Change-Vorhaben beginnt praktisch mit einem nüchternen Abgleich: Was ist das Ziel? Welche Fähigkeiten braucht es dafür? Welche Fähigkeiten sind heute tatsächlich vorhanden? Wo liegen die Lücken? Bei Hosang Consulting läuft das in acht Schritten, die sich je nach Situation unterschiedlich stark gewichten, aber immer in derselben Reihenfolge sinnvoll sind:
1. Situation verstehen – ohne vorschnelle Lösung. 2. Ziel und Engpass klären – was soll erreichbar werden, und was verhindert das heute? 3. Vorhandene Fähigkeiten prüfen – bei Menschen, Teams, Software und Automatisierung. 4. Fehlende Fähigkeiten sichtbar machen – konkret, nicht pauschal. 5. Verantwortung klären – wer entscheidet, wer trägt die Umsetzung. 6. Entscheidungen strukturieren – Governance statt Bauchgefühl. 7. Umsetzung begleiten – nicht nur planen, sondern durchhalten. 8. Wirkung überprüfen – und nachschärfen, wenn sich das Ziel verschiebt.
Am Ende steht keine Blaupause, sondern eine konkrete, priorisierte Veränderung: die eine Fähigkeitslücke, die zuerst geschlossen werden muss, damit das Unternehmen wieder zu seinem eigenen Ziel passt. Diese acht Schritte sind kein Verkaufsversprechen, sondern die Arbeitsweise, mit der Hosang Consulting solche Situationen tatsächlich bearbeitet.
Fazit
Rapid Change bleibt wichtig: Unternehmen müssen weiterhin schnell auf Veränderungen reagieren können. Aber Geschwindigkeit allein sichert keine Zukunftsfähigkeit. Radical Change ergänzt Rapid Change um die Frage, die zählt: ob die eigenen Fähigkeiten noch zum eigenen Ziel passen – und wie Menschen, klassische Software, Automatisierung und Agentic AI gemeinsam dafür sorgen, dass diese Fähigkeiten kontinuierlich mitwachsen.
Die entscheidende Frage ist nicht, wie viel Veränderung ein Unternehmen aushält. Entscheidend ist, welche Veränderung notwendig ist, damit das wichtigste Ziel mit vorhandenen und entwickelbaren Fähigkeiten tatsächlich erreichbar wird.
FAQ
Was ist Rapid Change?
Rapid Change beschreibt Situationen schneller äusserer Veränderung, in denen Unternehmen kurzfristig handlungsfähig bleiben müssen – der Fokus liegt auf Tempo und Anpassungsdruck, nicht auf der Tiefe der Veränderung.
Was ist Radical Change?
Radical Change ist die eigenständige Perspektive von Hosang Consulting auf die notwendige Tiefe von Veränderung: die Fähigkeit einer Organisation, ihre eigenen Fähigkeiten laufend an neue Ziele anzupassen, statt nur schneller zu werden.
Was ist der Unterschied zwischen Rapid Change und Radical Change?
Rapid Change optimiert Anpassungsfähigkeit, Radical Change schafft Entwicklungsfähigkeit. Rapid Change fragt, wie schnell reagiert wird, Radical Change fragt, ob die richtigen Fähigkeiten überhaupt vorhanden sind.
Warum reicht klassisches Change Management bei Radical Change nicht aus?
Klassisches Change Management begleitet meist ein konkretes Vorhaben mit definiertem Anfang und Ende. Radical Change betrifft die kontinuierliche Passung zwischen Zielen und Fähigkeiten – ein fortlaufender Zustand, keine einmalige Massnahme.
Was haben VUCA, BANI und SALTER mit Radical Change zu tun?
Sie beschreiben die zunehmende Komplexität und Fragilität des Umfelds, in dem Unternehmen heute agieren. Radical Change setzt an diesem Befund an, indem es fragt, welche Fähigkeiten Unternehmen brauchen, um darin entwicklungsfähig zu bleiben.
Was ist SALTER?
SALTER ist ein von David Fiorucci und seinem Unternehmen LP3 entwickelter Orientierungsrahmen, der sich als Weiterentwicklung von VUCA und BANI versteht und sechs Bruchlinien der Gegenwart sowie dazugehörige Gegenbewegungen beschreibt.
Wer ist David Fiorucci?
David Fiorucci ist Gründer von LP3 (Biel/Bienne) und Entwickler des SALTER-Rahmens sowie weiterer Konzepte im Bereich bewusster Führung.
Wie steht unsere Radical-Change-Perspektive zu SALTER?
Wir ordnen SALTER positiv als eigenständigen Beitrag ein. Radical Change und QUENARIS sind jedoch keine Umsetzung von SALTER, sondern eine eigene, anschlussfähige Perspektive – ohne Partnerschaft oder technische Integration.
Welche Rolle spielt Agentic AI bei Radical Change?
Agentic AI verändert potenziell, wer eine organisationale Fähigkeit bereitstellt. Die zentrale Frage ist, welche Fähigkeit benötigt wird und ob sie von Menschen, Teams, Software, Automatisierung oder einem Agenten getragen wird – Verantwortung bleibt beim Menschen.
Was bedeutet ein Unternehmen als Fähigkeitssystem?
Es bedeutet, ein Unternehmen nicht primär als Organigramm oder Prozesslandschaft zu betrachten, sondern als Zusammenspiel von Fähigkeiten, die von Menschen, Teams, Software, Automatisierung und Agentic AI gemeinsam bereitgestellt werden.
Welche Rolle spielt QUENARIS bei Radical Change?
QUENARIS macht Radical Change operationalisierbar: Es verbindet Ziele, benötigte und vorhandene Fähigkeiten, Entscheidungen und Wissen zu einem zusammenhängenden Bild und macht Entwicklung über die Zeit sichtbar.
Wie macht das QUENARIS Operation Center Entwicklung über die Zeit sichtbar?
Es bildet nicht nur einen Zustand ab, sondern den Verlauf: welche Ziele und Fähigkeiten zu welchem Zeitpunkt galten und welche Entscheidungen zu welcher Entwicklung geführt haben.
Wie unterscheidet sich diese Perspektive von „Situations of Rapid Change“ bei Leverage Experts?
Leverage Experts begleitet mit „Situations of Rapid Change“ konkrete, oft akute Situationen schnellen Wandels wie Strategie-, Krisen- und M&A-Fragen. Radical Change setzt eine Ebene weiter: bei den künftigen Fähigkeiten, der Entscheidungsarchitektur und dem kontinuierlichen Zusammenspiel von Mensch, Software und Agentic AI.
Wie beginnt ein Radical-Change-Vorhaben praktisch?
Mit einem Reality Check: Ziel klären, benötigte Fähigkeiten bestimmen, vorhandene Fähigkeiten abgleichen, Lücken benennen und die eine Veränderung priorisieren, die als Nächstes nötig ist.
Radical Change ist eine Einladung, die eigene Entwicklungsfähigkeit ernster zu nehmen als die reine Anpassungsgeschwindigkeit.