15 · Produkt- und Serviceentwicklung
Kostengünstige Familientests durch ein neues Pooling-Modell
Interdisziplinäres Team während der Pandemie.
Ausgangslage
Während der Pandemie waren regelmässige Einzeltests insbesondere für Familien mit mehreren Personen mit erheblichen Kosten verbunden. Gleichzeitig wurden in öffentlichen Testprogrammen bereits Pooling-Verfahren eingesetzt, bei denen mehrere Proben zunächst gemeinsam analysiert werden. Das grundlegende Pooling-Prinzip war daher bereits bekannt und wurde nicht von Hosang Consulting entwickelt.
Der neue Ansatz bestand darin, dieses Prinzip gezielt auf Familien und private Haushalte zu übertragen. Anstatt jede Person eines Haushalts unmittelbar einzeln zu analysieren, sollten die Mitglieder einer Familie gemeinsam eine gepoolte Speichelprobe abgeben. Parallel dazu sollte von jedem Familienmitglied eine individuelle Rückhalteprobe gesichert werden.
Der geplante Ablauf war: Die Familienmitglieder geben gemeinsam Speichel in ein Proberöhrchen, zusätzlich wird für jedes Familienmitglied eine individuelle Rückhalteprobe gesichert. Zunächst wird nur die gemeinsame Familienprobe analysiert. Ist sie negativ, sind keine weiteren Laboranalysen erforderlich; ist sie positiv, werden die individuellen Rückhalteproben analysiert, um festzustellen, welches Familienmitglied positiv getestet wurde. Bei einem negativen Familien-Pool hätte somit im Regelfall eine einzige Laboranalyse mehrere einzelne Analysen ersetzt.
Vorgehen
Hosang Consulting erfand nicht das Pooling-Verfahren selbst. Der eigenständige Vorschlag war, das bestehende Verfahren als kostengünstiges Angebot für ganze Familien weiterzuentwickeln. Die Innovation bestand in der Verbindung von einer gemeinsamen Familienprobe, individuellen Rückhalteproben, einer gestuften Laboranalyse, einem familiengerechten Serviceprozess und einer wesentlich günstigeren Preislogik.
Das Modell sollte nicht nur technisch funktionieren, sondern einen konkreten gesellschaftlichen Nutzen schaffen: Familien sollten Zugang zu bezahlbaren Tests erhalten, ohne für jede Person unmittelbar eine vollständige Einzelanalyse bezahlen zu müssen. Hosang Consulting arbeitete innerhalb eines interdisziplinären Teams mit mehreren Organisationen, externen Unternehmen und möglichen Umsetzungspartnern.
Die Beiträge umfassten: das Einbringen der Idee eines speziellen Testangebots für Familien, die Übertragung des bestehenden Pooling-Prinzips auf private Haushalte, die Strukturierung des Ablaufs von der Probenabgabe bis zur Ergebnisübermittlung, die Ausarbeitung der gestuften Analyselogik, Überlegungen zur Preisgestaltung, die Prüfung der wirtschaftlichen Tragfähigkeit, Gespräche mit möglichen Laborpartnern, öffentlichen Gesundheitsstellen und regionalen Entscheidungsträgern sowie die Vorbereitung eines konkreten Angebots. Hosang Consulting übernahm dabei nicht allein die Verantwortung für das Gesamtvorhaben.
Ergebnis
Das Familien-Pooling-Modell wurde innerhalb des Teams fachlich, prozessual und wirtschaftlich weit entwickelt. Es fanden Gespräche mit möglichen Laborpartnern, externen Unternehmen, öffentlichen Gesundheitsstellen und verschiedenen regionalen Entscheidungsträgern statt. Ein konkretes Angebot war für eine Einreichung vorbereitet. Für die Umsetzung war jedoch die verbindliche Beteiligung eines qualifizierten Laborpartners zwingend erforderlich.
Kurz vor der geplanten Einreichung zog sich der vorgesehene Laborpartner überraschend zurück. Ohne ein Labor, das sowohl die gepoolten Familienproben als auch bei Bedarf die individuellen Rückhalteproben analysieren konnte, war eine Umsetzung nicht möglich. Das Angebot wurde deshalb nicht eingereicht.
Das Familien-Pooling wurde nicht praktisch getestet und nicht in den Markt eingeführt. Der Case ist daher keine klassische Erfolgsgeschichte. Er zeigt jedoch eine eigenständige und gesellschaftlich ausgerichtete Innovation: die Übertragung eines bestehenden Pooling-Verfahrens auf Familien, um Testangebote für eine breitere Bevölkerungsschicht bezahlbarer zu machen.
Übertragbare Erkenntnis
Innovation besteht nicht immer darin, eine vollständig neue Technologie zu erfinden. Sie kann auch darin liegen, ein bestehendes Prinzip so weiterzuentwickeln, dass es für eine neue Zielgruppe zugänglich, wirtschaftlich sinnvoll und gesellschaftlich wirksam wird. Gleichzeitig zeigt der Case, dass eine gute Idee und ein tragfähiges Prozessmodell allein nicht ausreichen. Wenn die Umsetzung von einem einzigen kritischen Partner abhängt, müssen dessen Zusage, wirtschaftliche Interessen und mögliche Alternativen frühzeitig verbindlich geklärt werden.