Bewusstsein, Unterbewusstsein
4.1Was unterhalb geschieht
Die meisten Entscheidungen fühlen sich an, als würden wir sie bewusst treffen. Wir wägen ab, wir wählen, wir handeln. Doch ein grosser Teil dessen, was unser Handeln bestimmt, geschieht, ohne dass wir es bemerken. Wir fahren Auto, ohne über jeden Handgriff nachzudenken. Wir reagieren auf einen Ton in der Stimme eines anderen, bevor wir ihn benennen können. Wir halten Argumente für überzeugend oder nicht, ohne zu wissen, warum.
Dieses Kapitel fragt, wie viel von dem, was ein Mensch entscheidet, unterhalb des Bewusstseins geschieht, und ob ihn das berechenbar macht. Die Frage hat eine unmittelbare Bedeutung für das Thema dieses Buches. Wenn das Entscheiden des Menschen von Mustern geprägt ist, die er selbst nicht sieht, dann kann ein System, das Muster erkennt, ihn womöglich besser lesen als er sich selbst. Und dann stellt sich die Frage, wer das darf. Es gibt eine zweite Verbindung. Auch in einem Sprachmodell geschieht das meiste, ohne dass jemand es im Einzelnen sieht, selbst seine Entwickler nicht (Kapitel 13). Wer verstehen will, was es heisst, von Unsichtbarem geprägt zu sein, kann beim Menschen beginnen.
4.2Programme im Herzen
Christlich-theologisch
Enoch Sundaram, Arzt und Prediger, beschreibt das Unterbewusstsein mit einem Bild aus der Technik. Es wolle Zeit und Energie sparen und bilde aus Wiederholung Programme oder Gewohnheiten: wie wir Auto fahren, wie wir sprechen, wie wir mit Ehepartnern und Kindern umgehen. Alles Handeln beruhe auf den Programmen im Herzen. Dass Handlungen durch Übung automatisch werden, ist gut bekannt. Sundaram geht weiter: Das Unterbewusstsein nehme ohne Auswahl auf, was das Bewusstsein ihm gibt, Gutes wie Schlechtes. Er vergleicht es mit einem Boden, in den Gedanken als Samen fallen und vervielfältigt zurückkommen; Hass erzeuge mehr Hass, Liebe mehr Liebe. Auch die Wahrnehmung liege im Herzen: Menschen hätten zu allem schon vorgefasste Gedanken und entschieden auf dieser Grundlage.
Bemerkenswert ist, was Sundaram aus diesem Modell folgert. Nicht alle hätten die richtigen Programme. Falsche Programme erkenne man vor allem dann, wenn andere einen korrigieren, und durch das Gebet: Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz. Korrektur solle man mit Dank annehmen, sie sei wie ein Besen für das Herz; und korrigieren solle man freundlich und liebevoll. Umprogrammieren lasse sich das Unterbewusstsein auf zwei Wegen: durch Achtsamkeit, also das Bewusstsein für die eigenen Gedanken, Worte und Handlungen, und durch Meditation als tiefes Nachdenken über Gottes Wort. Hypnose dagegen lehnt er ab.
Das Modell ist anschaulich, und es enthält Behauptungen, die zu weit gehen. Dass das Unterbewusstsein das gesamte Gedächtnis bis in feinste Einzelheiten speichert, lässt sich nicht belegen. Die Zahlen, mit denen Sundaram die Leistung des Unterbewusstseins beschreibt, hat Kapitel 3 geprüft und als nicht haltbar gezeigt.
4.3Annahmen und Skripte
Christlich-theologischGesellschaftlich
Timothy Keller, Pastor und Autor, spricht nicht von Programmen, sondern von Hintergrundannahmen. Kapitel 1 hat seine These vorgestellt: Kaum bewusste Annahmen bestimmen, welche Argumente überhaupt überzeugen. In einem Gedankenexperiment zeigt er, wie sehr Menschen ein kulturelles Skript ablesen, wenn sie glauben, ihr wahres Selbst auszudrücken: Ein Krieger vor tausend Jahren und ein junger Mann von heute halten beide für authentisch, was ihnen ihre Kultur vorgibt. Solche Annahmen entdecke man selten allein, sondern im Gespräch und in Beziehungen.
Keller kennt auch eine Schicht, die noch tiefer liegt. Der Hohlraum im Herzen sei bei allen Menschen vorhanden, auch wenn er nicht bewusst sei, etwa bei Kindern. Gemeint ist eine Sehnsucht, die der Mensch hat, bevor er sie benennen kann.
So verschieden die beiden Sprecher sind, in einem stimmen sie überein. Was unser Entscheiden prägt, liegt grossenteils unterhalb des Bewusstseins, und wir erkennen es kaum aus eigener Kraft, sondern durch ein Gegenüber: durch Korrektur, durch Gespräch, durch Gebet.
4.4Was die Forschung zeigt
Wissenschaftlich
Die Forschung bestätigt den Kern dieser Beobachtung, wenn auch mit anderen Zahlen und anderen Begriffen.
Kapitel 3 hat die Grössenordnungen genannt: Die Sinnesorgane nehmen nach einer neueren Untersuchung rund eine Milliarde Bit pro Sekunde auf, das Verhalten verarbeitet etwa zehn. Die Zahl ist selbst umstritten und eher eine Grössenordnung als eine Konstante. Aber sie zeigt, dass zwischen dem, was aufgenommen, und dem, was bewusst verarbeitet wird, eine gewaltige Lücke liegt.
Besonders deutlich wird das bei der Wahrnehmung von Gefahr. Joseph LeDoux, Neurowissenschaftler, hat gezeigt, dass Schaltkreise im Gehirn, an denen die Amygdala beteiligt ist, Bedrohungen erkennen und Abwehrreaktionen des Körpers auslösen können, ohne dass die Person die Bedrohung bewusst bemerkt. Das bewusste Gefühl der Angst entsteht nach seiner Darstellung dagegen in anderen, höheren Schaltkreisen; die Amygdala sei nicht das Angstzentrum des Gehirns. LeDoux empfiehlt deshalb, das Wort Angst nur für das bewusste Erleben zu verwenden. Der Körper reagiert also schon, bevor der Mensch weiss, dass er sich fürchtet.
Die Psychologie beschreibt solche Vorgänge als implizite Prozesse und unterscheidet zwischen einem schnellen, automatischen und einem langsamen, überlegten Denken. Für dieses Buch genügt der gemeinsame Befund: Ein grosser Teil dessen, was wir tun, wird nicht bewusst gesteuert. Das ist kein Mangel, sondern macht das Leben überhaupt erst möglich. Niemand könnte gehen, sprechen oder Auto fahren, wenn er jeden Schritt bewusst planen müsste.
4.5Herz ist nicht gleich Unterbewusstsein
Christlich-theologischWissenschaftlich
An dieser Stelle muss das Buch eine Unterscheidung treffen, die in den Quellen nicht immer getroffen wird. Sundaram setzt das biblische Herz mit dem Unterbewusstsein gleich. Das ist eine Deutung, die zwei verschiedene Sprachen zusammenführt.
Es gibt mindestens drei Ebenen, auf denen von dem die Rede ist, was unterhalb des Bewusstseins liegt. Auf der theologischen Ebene ist das Herz die Mitte der Person, der Ort, an dem sie sich auf Gott ausrichtet oder von ihm abwendet. Auf der psychologischen Ebene geht es um Gewohnheiten, implizite Annahmen und automatische Reaktionen. Auf der neurowissenschaftlichen Ebene geht es um Vorgänge in bestimmten Schaltkreisen des Gehirns. Die drei Ebenen hängen zusammen, aber sie sind nicht dasselbe.
Wer sie vermischt, gewinnt Anschaulichkeit und verliert Genauigkeit. Wenn das Herz das Unterbewusstsein ist, dann scheint die Hirnforschung die Theologie zu bestätigen. Wenn sich aber herausstellt, dass eine Zahl über das Unterbewusstsein nicht stimmt, scheint dieselbe Forschung die Theologie zu widerlegen. Beides ist falsch. Was das Herz im biblischen Sinn ist, lässt sich nicht im Labor messen, und was im Labor gemessen wird, ist nicht das Herz.
4.6Berechenbar?
Philosophisch
Wenn so viel unterhalb des Bewusstseins geschieht, ist der Mensch dann berechenbar? Eine Arbeitshypothese dieses Buches lautet: Menschen sind berechenbarer, als ihr Selbstbild annimmt. Programme, Skripte und Muster prägen ihr Entscheiden, und wer diese Muster kennt, kann vieles vorhersagen.
Gegen diese Hypothese steht ein starker Einwand. Dass sich Verhalten vorhersagen lässt, beweist nicht, dass die Person bestimmt ist. Freiheit zeigt sich gerade darin, Muster zu erkennen und zu ändern. In der Philosophie wird diese Sicht unter dem Namen Kompatibilismus vertreten: Freiheit und Ursächlichkeit schliessen einander nicht aus.
Bemerkenswert ist, dass die Quellen dieses Buches den Einwand selbst stützen. Sundaram, der so viel vom Programmieren des Unterbewusstseins spricht, nennt die Wahl die grösste Fähigkeit, die Gott dem Menschen gegeben habe, die regierende Kraft. Seine ganze Lehre vom Umprogrammieren setzt voraus, dass Menschen ihre Muster erkennen und ändern können. Keller setzt dasselbe voraus, wenn er sagt, Hintergrundannahmen liessen sich im Gespräch entdecken. Die Quellen beschreiben den Menschen also als geprägt, aber nicht als festgelegt.
4.7Und die Maschine?
WissenschaftlichPhilosophischTechnischGesellschaftlich
Um zu fragen, ob eine Maschine ein Bewusstsein hat, muss man zuerst fragen, wozu ein Mensch überhaupt eines braucht, und wozu ein Unbewusstes. Das Unbewusste arbeitet schnell, sparsam und ohne Anstrengung. Es erledigt das Gewohnte, damit der Mensch nicht jeden Handgriff neu bedenken muss. Der Psychologe Daniel Kahneman hat dafür in seinem Buch «Schnelles Denken, langsames Denken» ein einprägsames Bild gefunden. Er beschreibt zwei Arten zu denken, die er System 1 und System 2 nennt, ausdrücklich als vereinfachende Figuren und nicht als zwei Orte im Gehirn. System 1 arbeitet schnell, automatisch und ohne Mühe: Wer «2 plus 2» liest, kennt die Antwort, ohne zu rechnen. System 2 ist langsam und anstrengend: «17 mal 24» verlangt Aufmerksamkeit. Wie leicht das schnelle Denken in die Irre führt, zeigt eine bekannte Aufgabe. Ein Schläger und ein Ball kosten zusammen 1.10 Franken, und der Schläger kostet einen Franken mehr als der Ball. Was kostet der Ball? Die meisten sagen sofort: 10 Rappen. Richtig sind 5 Rappen. Das schnelle Denken liefert eine Antwort, die sich richtig anfühlt, und das langsame prüft sie nur, wenn man es weckt. Das Bewusstsein ist langsamer und begrenzt, aber es kann, was das Unbewusste nicht kann. Nach der Theorie des globalen Arbeitsraums, die der Psychologe Bernard Baars entwickelt und der Hirnforscher Stanislas Dehaene mit Experimenten gestützt hat, macht das Bewusstsein eine Information dem ganzen Gehirn zugleich verfügbar. Erst dadurch kann der Mensch sie mit anderem verbinden, über sie sprechen, sie prüfen und in einer neuen Lage anders handeln als gewohnt. Kurz gesagt: Das Unbewusste sorgt dafür, dass der Mensch im Gewohnten funktioniert, das Bewusstsein dafür, dass er im Ungewohnten wählen kann. Auf diese Theorie stützt sich auch eine Untersuchung, von der gleich die Rede ist.
Für die Maschine stellen sich zwei Fragen.
Die erste lautet: Hat eine Maschine ein Bewusstsein, oder wenigstens etwas wie ein Unterbewusstsein? Eine Forschungsgruppe um Patrick Butlin hat 2023 untersucht, welche Merkmale nach den führenden wissenschaftlichen Theorien auf Bewusstsein hinweisen. Ihr Ergebnis: Kein heutiges System ist ein starker Kandidat für Bewusstsein, aber es gibt auch keine offensichtlichen technischen Hindernisse, Systeme zu bauen, die diese Merkmale erfüllen. Der Philosoph John Searle hielt dagegen, dass Programme allein für Bewusstsein nie genügen. Ed Zitron, Technologiekritiker, sagt kurz, die heutigen Systeme seien keine bewussten Akteure. Ein Unterbewusstsein im menschlichen Sinn hat eine Maschine nicht. Sie hat aber verborgene Vorgänge, die auch ihre Entwickler nicht vollständig durchschauen und die ihr Verhalten bestimmen. Kapitel 9.4 zeigt, wie sich das äussern kann.
Die zweite Frage ist für das Thema dieses Buches dringlicher. Systeme können heute Muster im Verhalten, in der Sprache und in den Entscheidungen von Menschen erkennen, die diese selbst nicht sehen. Wer darf die unbewussten Muster eines Menschen erkennen und ihm spiegeln? Sundaram nennt zwei Instanzen: Gott, der das Herz erforscht, und den Mitmenschen, der freundlich und liebevoll korrigiert. Beide stehen in einer Beziehung zu dem, den sie erkennen. Ein System steht in keiner solchen Beziehung. Es kann Muster erkennen, ohne den Menschen zu kennen, und es kann sie spiegeln, ohne ihn zu lieben. Ob das hilft oder schadet, hängt davon ab, wer das System einsetzt, wozu und mit wessen Einverständnis.
Der Autor dieses Buches hat diese Frage in einem eigenen Essay zugespitzt. Die Aufmerksamkeitsökonomie fragt, wie sie den Blick eines Menschen gewinnt. Mit künstlicher Intelligenz entsteht eine nächste Stufe, eine Ökonomie der Absichten: Systeme leiten aus Kontext, Gesprächen und Gewohnheiten ab, was jemand wahrscheinlich als Nächstes will, und bereiten Entscheidungen vor, bevor er sie ausdrücklich formuliert hat. Das kann entlasten. Aber es macht eine Frage dringlich, die sich bei jedem System stellt, das Muster spiegelt: In wessen Interesse handelt es?
4.8Zwischenergebnis
Wissenschaftlich
- Ein grosser Teil dessen, was Menschen tun und entscheiden, geschieht unterhalb des Bewusstseins. Darin stimmen Theologie, Philosophie und Forschung überein, mit verschiedenen Begriffen.
- Sundarams Programmmodell ist anschaulich, aber einige seiner Behauptungen gehen über die Belege hinaus.
- Herz, implizite Prozesse und Hirnfunktionen sind drei Ebenen, die nicht gleichgesetzt werden dürfen.
- Menschen sind geprägt, aber nicht festgelegt; die Quellen selbst setzen voraus, dass Muster erkannt und geändert werden können.
- Maschinen haben nach heutigem Stand kein Bewusstsein und kein Unterbewusstsein im menschlichen Sinn, aber verborgene Vorgänge.
- Wer die unbewussten Muster eines Menschen erkennen und spiegeln darf, ist eine offene ethische Frage. Gott und Mitmensch tun es in Beziehung, ein System ohne sie.
4.9Fazit
Christlich-theologischGesellschaftlich
Ich habe selbst ein solches Muster an mir erkannt: den Jähzorn. Er hat mich jahrelang begleitet. Ich habe ihn von meinem Vater, und mein Vater hatte ihn von seinem Vater. Über die Jahre hat er sich gelegt, durch Reflexion, durch vertieftes Nachdenken und durch ein neues Wertesystem. Ein Muster, das man erkennt, kann man angehen.
Ich kenne auch ein härteres Muster aus eigener Erfahrung. Ich habe früher Drogen genommen, auch Kokain. Wer eine Linie zog, wollte die nächste, und danach wieder die nächste. Bei der Spritze war es nicht anders. Wir haben am Abend die Spritzen weggeworfen und sie am nächsten Morgen wieder aus dem Müll geholt. Der Entschluss war da, und trotzdem ging es weiter. Wenn ich heute beobachte, was bestimmte Anwendungen mit mir machen, kommt mir dieses Muster verdammt bekannt vor: noch ein Video, noch eines, noch kurz weiterschauen. Man löscht eine Anwendung, weil man merkt, dass sie einem nicht guttut, und installiert sie später wieder. Natürlich ist ein Feed kein Kokain, und das ist keine wissenschaftliche Gleichsetzung. Es ist meine Erfahrung. Und gerade diese Erfahrung macht mich vorsichtig, wenn jemand von harmlos spricht.
Darum ist für mich die entscheidende Frage: Was schaue ich an, wie verändert mich das, und mit welcher Absicht hat jemand gemacht, was mich verändern soll? In meinem Essay «Eine Liebeserklärung an das Handy» habe ich das so gefasst: Wer meine Aufmerksamkeit will, will etwas mit mir machen. Aber will er auch etwas für mich?
Ein System muss Muster kennen. Wir Menschen sind voller Muster und kennen sie manchmal selbst nicht. Genau darin liegt die Stärke des Systems, mit dem ich arbeite. Die Grenze liegt dort, wo ich entscheide, wie viel ich dem System preisgebe. Wir stellen fest, dass wir dem System eigentlich alles sagen müssen, weil es nicht weiss, was wir denken; dann erzielen wir die besseren Ergebnisse. Das heisst aber auch, dass ich mich als Mensch ausdrücken können muss, um dem System die nötigen Informationen zu geben. Umgekehrt soll das System dem Menschen grundsätzlich alles sagen. Wie es das sagt, ist eine Frage der Governance, also der Regeln, nach denen ein solches System betrieben wird.
Man kann künstliche Intelligenz mit dem Unbewussten des Menschen vergleichen, und der Vergleich trägt weiter, als man denkt. Ein Sprachmodell ist geprägt von dem, was es gesehen hat, seinen Trainingsdaten. Es kann sie nicht einzeln abrufen, aber sie wirken in allem, was es tut, so wie Erfahrungen einen Menschen prägen, auch wenn er sich nicht mehr an sie erinnert. Niemand weiss genau, was in einem solchen Modell vorgeht, auch seine Entwickler nicht. Und wie Menschen für ihr Handeln oft Gründe nennen, die nicht die wirklichen waren, geben auch Modelle nicht immer die Überlegung wieder, die ihre Antwort tatsächlich bestimmt hat. An einer Stelle aber bricht der Vergleich. Beim Menschen versucht ein Bewusstsein von innen, sein Unbewusstes zu lenken. Bei der Maschine fehlt dieses Innen. Gelenkt wird sie von aussen, mit Richtlinien und Aufsicht, durch die Menschen, die sie bauen und einsetzen. Und es fehlt ihr, was beim Menschen dazugehört: die Seele.
Ja, Menschen sind berechenbar. Das ist das Interessante. Darum erzielen wir mit Mathematik und mit künstlicher Intelligenz so gute Ergebnisse, und darum gefällt uns auch Musik, die einem Muster folgt. Für mich ist das keine Bedrohung, sondern eine Chance: Wir können klarer erkennen, wer wir sind, wie wir funktionieren und wie wir handeln.
Unter Menschen sagen wir: Die Freiheit des einen hört dort auf, wo sie die Freiheit des anderen einschränkt. Wir brauchen diese Regel, weil das Zusammenspiel aller Freiheiten zu komplex ist, als dass wir es überblicken könnten. Ich glaube, dass es eine Instanz gibt, für die diese Grenze nicht gilt. Als Christ vertraue ich darauf, dass Gott die Fäden zusammenhält, auch in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist. Jesus sagt, dass kein Spatz zur Erde fällt ohne den Willen des Vaters und dass selbst die Haare auf unserem Kopf gezählt sind (Matthäus 10,29 bis 30). Was für uns unüberblickbar ist, ist es für ihn nicht.
Mit dem Herzen ist mehr gemeint als das Gefühl: Denken, Wollen, Begehren, der ganze Mensch. So verwendet es die Bibel, wenn sie sagt: Mehr als alles behüte dein Herz (Sprüche 4,23). Wichtig ist mir, dass Begriffe nicht für alle gleich und nicht abschliessend bestimmt sind. Für Intelligenz gibt es rund siebzig Definitionen und keine, die allgemein gilt. Das Problem bleibt dasselbe: Wer über das Herz oder über Intelligenz spricht, muss zuerst sagen, was er damit meint.