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Go-to-Market-Steuerungsmodell · Phase 1 von 9 · Erkenntnis und Aufbau

Problem- und Marktverständnis

Zweck

Phase 1 schafft belastbare Klarheit darüber, welches Problem für wen in welchem Kontext relevant genug ist, um später überhaupt ein Produkt und ein Angebot zu rechtfertigen. Sie ist eine reine Erkenntnis- und Orientierungsphase – ausdrücklich keine Verkaufsphase.

Kernaussage

Verstanden ist, welches Problem für wen wirklich relevant ist – noch ohne Lösung und ohne Verkaufsannahmen. Im Fokus steht Erkenntnis, nicht Umsetzung. Die Phase ist erkenntnisgetrieben statt lösungsgetrieben, blickt nach aussen auf Markt und Kunden statt nach innen, und sie bestätigt oder verwirft Hypothesen.

Wann die Phase beginnt

Bei einer neuen Idee, einem neuen Geschäftsfeld oder einem neuen Angebotsvorhaben – ebenso bei einer strategischen Neuausrichtung oder beim Wachstum in neue Zielsegmente.

Wer diese Phase treibt

Getrieben wird Phase 1 von der Produktverantwortung, von Gründerinnen und Gründern oder von der Strategie. Vertrieb, Business Development und Marketing liefern Input, treiben die Phase aber nicht: Rollen mit Verkaufsziel sind hier beratend. Die Geschäftsleitung wird informiert.

Realistisch sind in dieser Phase geschärfte Hypothesen und klar eingegrenzte Zielmärkte – nicht Pipeline oder Forecast.

Zentrale Fragen

Phase 1 ist erst dann erfolgreich, wenn diese Fragen eindeutig beantwortet sind:

  1. Welches konkrete Problem hat der Kunde?
  2. In welcher Situation tritt es auf?
  3. Welche Auswirkungen hat es – auf Kosten, Risiko, Zeit, Belastung?
  4. Für wen ist das Problem relevant genug, um aktiv nach Lösungen zu suchen?
  5. Wer entscheidet über den Kauf – und warum?

Was konkret passiert

Ausgangspunkt sind Annahmen aus Strategie und Erfahrung, bestehende Kundenkontakte und die Beobachtung von Markt und Wettbewerb. Darauf folgen qualitative Gespräche mit potenziellen Kunden (Discovery-Interviews), eine Segmentierung nach Branche, Rolle und Kontext und die Verdichtung zu Problemclustern und Mustern. Am Ende steht die Abgrenzung zwischen relevanten und irrelevanten Problemen.

Dafür braucht es Gesprächsleitfäden und eine saubere Dokumentation – aber noch kein Marketing- oder Vertriebs-Tooling.

Erwartete Ergebnisse

Phase 1 ist abgeschlossen, wenn Folgendes vorliegt:

  • ein klar formuliertes Problem-Statement
  • ein definiertes Ideal Customer Profile (ICP)
  • ein beschriebener Kauf- und Entscheidungskontext
  • klare Nicht-Zielgruppen und Ausschlusskriterien

Woran Sie erkennen, dass die Phase trägt

Es gab genug qualifizierte Discovery-Gespräche, um Muster zu erkennen. Dieselben Schmerzpunkte tauchen wiederholt auf. Und das ICP ist trennscharf: Es sagt ebenso klar, wer nicht dazugehört.

Phasenprinzip

„Wenn wir das Problem nicht sauber verstanden haben, ist jede weitere Diskussion verfrüht.“

Was hier bewusst noch nicht geschieht

Solange das Problemverständnis nicht abgeschlossen ist, entsteht noch kein Angebot. Es gibt kein Marketingmaterial, keinen aktiven Vertrieb und keine Umsatzerwartung. Erkenntnis geht vor Geschwindigkeit.

Typische Fehlbilder

  • „Wir kennen unseren Markt schon.“
  • Die Lösung wird erklärt, bevor das Problem verstanden ist.
  • Die Zielgruppe ist zu breit oder unscharf.
  • Marketing und Vertrieb sollen starten, obwohl Phase 1 nicht abgeschlossen ist.

Begriff: Ideal Customer Profile (ICP)

Das Ideal Customer Profile beschreibt die klar abgegrenzte Zielkundengruppe, für die ein Produkt oder Angebot nachweislich relevant, lieferbar und wirtschaftlich sinnvoll ist. Es ist keine Marketing-Zielgruppe und keine Wunschliste, sondern eine Entscheidungsgrundlage für Produkt, Marketing, Sales Development und Sales.

Das ICP wirkt über mehrere Phasen als Filter:

  • bei der Abgrenzung relevanter Probleme (Phase 1–2)
  • beim Schärfen von Angebot und Positionierung (Phase 3)
  • bei der Definition qualifizierter Leads (Phase 5)
  • bei der Qualifizierung durch Sales Development (Phase 6)
  • beim Fokus im Verkauf (Phase 7)

Ohne klares ICP ist jede Qualifizierung beliebig.

Typische Dimensionen sind Branche oder Marktsegment, Unternehmensgrösse und -reife, die Rollen im Buying Center, die typische Ausgangssituation, technische, organisatorische oder regulatorische Rahmenbedingungen sowie Ausschlusskriterien. Nicht alle Dimensionen müssen gleich stark ausgeprägt sein – entscheidend ist die Trennschärfe.

Das ICP ist weder eine breite Persona noch ein Umsatzziel noch eine Garantie für Kaufbereitschaft. Es ist auch nicht endgültig: Es wird laufend geschärft, vor allem durch die Nachfragevalidierung (Phase 4) und durch Feedback (Phase 9).

Das ICP beantwortet die Frage: „Für wen ist dieses Angebot sinnvoll – und für wen bewusst nicht?“

Übergang zu Phase 2

Phase 2 beginnt, wenn ein validiertes Problem-Statement und ein klares ICP vorliegen. Ohne sauberes Problemverständnis startet die Produktdefinition nicht.