Go-to-Market-Steuerungsmodell · Phase 2 von 9 · Erkenntnis und Aufbau
Produktdefinition
Zweck
Phase 2 entwickelt eine klar definierte, lieferfähige Lösung für das in Phase 1 validierte Problem – ohne sie bereits verkaufslogisch oder für das Marketing aufzubereiten.
Kernaussage
Das identifizierte Problem ist zuverlässig lösbar. Im Fokus stehen Lösungsfähigkeit und Lieferbarkeit; das Ergebnis ist eine klar definierte Leistung, aber noch kein Angebot. Die Phase ist lösungs- und umsetzungsorientiert und nach innen gerichtet – auf die Logik von Produkt, Leistung und Delivery. Ziel ist Lösungsfähigkeit, nicht Verkaufsfähigkeit.
Wann die Phase beginnt
Wenn Phase 1 abgeschlossen ist: Ein validiertes Problem-Statement und ein klares Ideal Customer Profile (ICP) liegen vor. Ohne sauberes Problemverständnis beginnt die Produktdefinition nicht.
Wer diese Phase treibt
Die Verantwortung für die Produktdefinition liegt bei Produktverantwortung und Delivery, in frühen Vorhaben häufig gemeinsam mit Gründerinnen und Gründern. Business Development und Sales können in Discovery-Gesprächen wichtige Erkenntnisse zu Problem, Kontext und Nutzen beitragen. Sie gestalten jedoch nicht eigenständig die Produktdefinition. Marketing wird bei Bedarf einbezogen.
Realistisch ist in dieser Phase, Leistung und Umfang testbar zu machen – nicht skalierbare Leads.
Zentrale Fragen
Phase 2 ist erst dann erfolgreich, wenn diese Fragen klar beantwortet sind:
- Wie genau lösen wir das Problem?
- Welche Leistung erbringen wir konkret – und welche bewusst nicht?
- Welches Ergebnis erzeugen wir zuverlässig?
- Welche Voraussetzungen braucht es auf Kundenseite?
- Was können wir stabil liefern – nicht nur theoretisch?
Was konkret passiert
Grundlage sind Problem-Statement und ICP aus Phase 1, die eigene Liefererfahrung sowie technische und fachliche Rahmenbedingungen. Daraus werden die Leistungsbausteine definiert, Scope und Nicht-Scope klar abgegrenzt und Machbarkeit, Risiken und Abhängigkeiten geprüft. Am Ende steht eine interne Verständigung: Das ist unser Produkt.
Dafür reichen Konzepte, Skizzen, Leistungsbeschreibungen und interne Dokumentation; Marketing- oder Vertriebsunterlagen braucht es noch nicht.
Erwartete Ergebnisse
Phase 2 ist abgeschlossen, wenn Folgendes vorliegt:
- eine klare, schriftliche Produkt- bzw. Leistungsbeschreibung
- ein definierter Leistungsumfang (Scope und Nicht-Scope)
- ein beschriebenes Kundenergebnis
- bekannte Liefergrenzen und Risiken
Woran Sie erkennen, dass die Phase trägt
Verschiedene Personen erklären das Produkt gleich. Es lässt sich reproduzierbar liefern. Und es ist klar, was nicht dazugehört.
Phasenprinzip
„Wir haben eine Lösung – aber noch nichts, was man sinnvoll verkaufen sollte.“
Was hier bewusst noch nicht geschieht
Noch kein Preis, keine Rabatte und keine Angebotslogik, kein Pitch und keine Marketingbotschaften, kein aktiver Vertrieb. Ein Produkt ist noch kein Angebot: Erst kommt die Lösungsfähigkeit, dann die Verkaufsfähigkeit.
Typische Fehlbilder
- „Der Vertrieb braucht jetzt schnell ein Angebot.“
- Preis- oder Feature-Diskussionen, bevor das Angebot gestaltet ist.
- Das Produkt wird auf einzelne Kunden zurechtgebogen.
- Implizite Verkaufsversprechen ohne Liefergrundlage.
Begriff: Produkt
Das Produkt ist die fachliche Lösung für ein Kundenproblem – eine Leistung, eine Methode, eine Software oder ein Service –, unabhängig davon, ob es schon marktfähig beschrieben ist. Es beantwortet die Frage: „Können wir das Problem lösen?“ Im Fokus stehen Leistung, Methode, Ergebnis und Machbarkeit; der Blick ist nach innen gerichtet.
Ergebnis dieser Phase ist ein lösungsfähiges, aber noch nicht marktfähiges Produkt. Verkaufsfähig wird ein Produkt erst durch das Angebot – das entsteht in Phase 3.
Übergang zu Phase 3
Phase 3 beginnt, wenn eine klare, lieferfähige Produktdefinition vorliegt. Ohne stabile Produktdefinition bleibt jedes Angebot instabil.