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Externe Projektleitung wählen: Was IPMA Level C aussagt

Wer eine externe Projektleitung sucht, bekommt Lebensläufe mit vielen Abkürzungen: PMP, PRINCE2, HERMES, IPMA Level C oder B. Für Auftraggeber ist oft unklar, was diese Zertifikate eigentlich belegen. Dieser Artikel erklärt es am Beispiel von IPMA Level C, der Stufe für die eigenständige Leitung von Projekten.

Was Level C bedeutet

Laut VZPM, der die IPMA-Zertifizierungen in der Schweiz durchführt, bestätigt Level C, dass eine Person ein Vorhaben mit begrenzter Komplexität oder ein Teilprojekt in einem komplexen Vorhaben führen kann. Dafür müssen über den ganzen Prozess 80 Prozent der geprüften Kompetenzen nachgewiesen werden. Der offizielle Titel lautet «Certified Project Manager IPMA Level C».

Zugelassen wird nur, wer in den letzten sechs Jahren mindestens drei Jahre Erfahrung als Projektleitung in begrenzt komplexen Projekten nachweist. Alternativ zählt eine verantwortliche Rolle in komplexen Projekten, aber nur als stellvertretende Projektleitung oder Teilprojektleitung.

Wie geprüft wird

Die Zertifizierung dauert laut VZPM in der Regel acht bis neun Monate und hat vier Schritte:

  1. Antrag: beruflicher Werdegang, Projekterfahrung, Referenzen und eine Selbstbeurteilung. Danach folgt ein kurzer Bericht, der Executive Summary Report. Erst dann entscheidet der VZPM über die Zulassung.
  2. Schriftliche Prüfung: zwei Stunden, geprüft wird Projektmanagementwissen.
  3. Bericht: Die Kandidatin oder der Kandidat beschreibt ein eigenes, reales Projekt nach einer Vorlage des VZPM.
  4. Interview: eineinhalb Stunden mit Assessorinnen und Assessoren. Gefragt wird nach konkreten Situationen, dem eigenen Vorgehen und dem Ergebnis.

Die Zertifizierung kostet beim VZPM insgesamt CHF 3'200. Das Zertifikat gilt fünf Jahre. Für die Verlängerung müssen mindestens 30 Monate Praxis und 175 Stunden Weiterbildung in dieser Zeit belegt werden.

Was Level C belegt

  • Erfahrung: Drei Jahre Projektleitung sind Voraussetzung und werden geprüft, nicht nur behauptet.
  • Wissen: Die schriftliche Prüfung fragt Projektmanagementwissen ab.
  • Anwendung: Bericht und Interview zeigen, ob jemand das Wissen in echten Projekten anwendet und das eigene Handeln reflektieren kann.
  • Aktualität: Wer rezertifiziert ist, war in den letzten fünf Jahren aktiv und hat sich weitergebildet.

Was Level C nicht belegt

  • Die Eignung für komplexe Vorhaben. Level C steht für begrenzte Komplexität. Für komplexe Projekte sieht das System Level B vor, mit mindestens fünf Jahren Erfahrung, davon drei in Führungsfunktion in komplexen Projekten.
  • Branchen- und Fachwissen. Die ICB4 gilt für alle Branchen. Ob jemand Ihr Fachgebiet, Ihre Systeme oder die Abläufe einer Gemeinde kennt, prüft die Zertifizierung nicht.
  • Die Kenntnis einer bestimmten Methode. IPMA schreibt keine Methode vor. Wer nach HERMES arbeiten soll, braucht zusätzlich HERMES-Kenntnisse.
  • Die Passung zu Ihrer Organisation. Ob die Zusammenarbeit funktioniert, zeigt kein Zertifikat.

Ein Zertifikat ist eine Momentaufnahme

Ein Zertifikat zeigt, was zu einem bestimmten Zeitpunkt anhand bestimmter Projekte geprüft wurde. Es zeigt nicht, wo jemand heute steht. Drei Punkte sollten Sie dabei beachten:

  • Die Stufe ist ein Mindestnachweis, keine Obergrenze. Viele wählen die Stufe, die sich neben der Arbeit mit vertretbarem Aufwand belegen lässt. Das ist eine Einschätzung aus der Praxis.
  • Die Komplexität kann seither gewachsen sein. Der VZPM misst Komplexität an zehn Indikatoren, unter anderem Ressourcen und Finanzierung, Stakeholder, kultureller und sozialer Kontext sowie Koordinationsbedarf. Ein internationales Vorhaben mit knappen Mitteln kann nach diesen Kriterien komplexer sein als ein gut ausgestattetes Projekt in einem Konzern.
  • Die Nachweise müssen dokumentiert sein. Für die Zertifizierung braucht es Referenzen und einen Bericht über ein Projekt passender Komplexität. Laut ZHAW müssen die Erfahrungen für Level C bei der Anmeldung vom Arbeitgeber bestätigt werden. Die Forschung zeigt, dass KMU ihre Projekte informeller und mit schlankeren Methoden führen als grosse Unternehmen. Zu diesem Ergebnis kommen Turner, Ledwith und Kelly in mehreren Studien zwischen 2009 und 2018. Dass dies den Nachweis für eine Zertifizierung erschwert, ist eine Einschätzung aus der Praxis.

Ein Beispiel aus eigener Sache: Ich habe mein Level-C-Zertifikat 2023 neben einem laufenden Grossmandat erworben, mit Projekten bei einem grossen Kunden als Nachweis. Level C war damals die Stufe mit dem überschaubarsten Aufwand. Meine heutigen Vorhaben sind oft klein, aber anspruchsvoll: international in Afrika und Indien, über mehrere Firmen verteilt, mit knappen Mitteln und mehreren Projekten parallel. Nach den Komplexitätskriterien des VZPM zählen genau solche Merkmale. Daneben verlangt der VZPM für Level B aber auch Grössenkriterien, etwa rund 700 Personentage oder die Führung von 10 Personen, die kleine Vorhaben selten erreichen. Nach meiner eigenen Einschätzung entspricht meine heutige Arbeit eher Level B. Unabhängig geprüft ist das nicht. Genau deshalb lohnt es sich, im Gespräch nach den Projekten seit der Zertifizierung zu fragen.

Was Sie prüfen können

  • Gültigkeit: Fragen Sie nach dem Datum der letzten (Re-)Zertifizierung. Der VZPM führt auf seiner Website zudem ein Verzeichnis zertifizierter Personen.
  • Stufe: Passt Level C zur Komplexität Ihres Vorhabens, oder brauchen Sie Level B?
  • Referenzen: Lassen Sie sich Projekte nennen, die Ihrem Vorhaben ähneln, und sprechen Sie mit den damaligen Auftraggebern.

Fragen für das Gespräch

Der VZPM stellt im Interview Fragen nach der STAR-Logik: Situation, Vorgehen, Ergebnis. Diese Logik können Sie auch im eigenen Auswahlgespräch nutzen. Die folgenden Fragen sind eine Empfehlung aus der Praxis, keine Vorgabe des VZPM:

  1. Beschreiben Sie ein Projekt, in dem ein wichtiger Entscheid ausblieb. Was haben Sie getan, und was war das Ergebnis?
  2. Wann haben Sie einem Auftraggeber empfohlen, ein Projekt zu stoppen oder neu auszurichten?
  3. Wie sind Sie mit einem Konflikt zwischen Fachbereich und Lieferant umgegangen?
  4. Wie sorgen Sie dafür, dass unsere Organisation nach Ihrem Einsatz selbst weiterarbeiten kann?
  5. Mit welcher Methode würden Sie unser Projekt führen, und warum?

Mein Rat aus der Praxis: Achten Sie bei den Antworten auf konkrete Beispiele. Allgemeine Aussagen wie «ich kommuniziere offen» sagen wenig. Eine gute Antwort nennt die Situation, das eigene Handeln und ein nachvollziehbares Ergebnis, auch wenn es nicht nur positiv war.

Fazit

IPMA Level C ist ein belastbarer Nachweis, dass jemand Erfahrung hat und das eigene Handeln unabhängig prüfen liess. Er ersetzt aber nicht Ihre eigene Prüfung: Passen Stufe, Fachwissen und Methode zu Ihrem Vorhaben, und passt die Person zu Ihrer Organisation?

Weiterlesen: IPMA Projektmanagement: Kompetenz statt Methode · IPMA und HERMES: Was ist der Unterschied? · Die Rolle des Auftraggebers in HERMES

Quellen: Turner, Ledwith und Kelly, Journal of Small Business Management, 2018 · Turner, Ledwith und Kelly, 2009 · VZPM, IPMA Level C · VZPM, IPMA Level B · VZPM, Leitfaden IPMA Level B · VZPM, Rezertifizierung · VZPM, Zertifizierungssystem IPMA · VZPM, Präsentation Zertifikate IPMA · ZHAW, Übersichtseite IPMA · IPMA Individual Competence Baseline, Version 4.0, deutsche Fassung

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