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Projektmanagement als Organisationsfähigkeit · Teil IV · Kapitel 11 von 11

Ein ehrlicher Blick auf Ihr nächstes Vorhaben

Kein Test, der ein Urteil fällt, sondern ein Denkwerkzeug, mit dem Sie selbst erkennen, was trägt, was noch besser werden kann und welcher nächste Schritt sinnvoll ist.

Sie haben bis hierher alles Wesentliche gelesen. Jetzt geht es nicht darum, dass ich Ihnen sage, wo Sie stehen. Das kann ich aus der Ferne gar nicht, und ich halte nichts davon, so zu tun. Stattdessen gebe ich Ihnen ein einfaches Denkwerkzeug in die Hand, mit dem Sie sich selbst ein Bild machen, allein oder mit Ihren Leuten. Es folgt derselben Logik wie eine gute Beratung: zuerst die Ist-Situation, dann das Zielbild, dann die Schritte dazwischen.

Es besteht aus zwei Blickrichtungen. Aus ihnen ergibt sich alles Weitere fast von selbst.

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Erster Blick: Was ist, und was ist gut daran?

Schauen Sie zuerst auf das Bestehende, und zwar wertschätzend, bevor Sie irgendein Problem benennen. Vier Fragen führen Sie:

Dieser erste Blick leistet zweierlei. Er verschafft Ihnen eine ehrliche Ist-Aufnahme Ihrer Lage. Und weil er beim Guten beginnt, sorgt er dafür, dass Sie über Potenzial sprechen können, ohne vorher ein Defizit konstruieren zu müssen. Nach diesem Blick kennen Sie Ihre heutige Situation und sehen besser, wo zusätzliche Hebelwirkung möglich ist.

Denkquelle, kein Beleg: Der PotenzialblickDenkquellen →

Zweiter Blick: Wie sähe es aus, wenn alles gut wäre?

Stellen Sie sich nun vor, all die Schwierigkeiten wären gelöst.

Die Frage ist stärker, als sie klingt. Denn aus Ihrer Antwort entsteht Ihr Zielbild, und zwar Ihr eigenes, nicht eines, das ich Ihnen vorgebe. Sie beschreiben nicht, was fehlt, sondern wie der gute Zustand aussieht, den Sie erreichen wollen.

Denkquelle, kein Beleg: Steve de ShazerDenkquellen →

Was Sie damit in der Hand haben

Damit haben Sie zwei Dinge in der Hand. Aus dem ersten Blick haben Sie Ihre Ist-Situation. Aus dem zweiten Ihr Zielbild. Die Differenz zwischen beiden zeigt nicht nur Lücken, sondern auch Potenzial. Und weil Sie beides haben, können Sie selbst einen groben Plan auf hoher Flughöhe ableiten und priorisieren, was zuerst und was danach sinnvoll ist.

Legen Sie Ihre Antworten aus dem ersten und zweiten Blick nebeneinander.

Zur Orientierung: die acht Klärungsfelder

Wenn Sie Ist-Bild und Zielbild nebeneinanderlegen, können die acht Klärungsfelder aus Kapitel 5 helfen zu sehen, an welchen Themen die Differenz liegt. Sie sind eine Orientierung, keine Checkliste und keine Bewertung.

  1. Wozu, welche Vorhaben zahlen ein?
  2. Wie schaffen wir Wert?
  3. Welche Vorhaben starten wir? (Portfolio)
  4. Wer entscheidet über Vorhaben? (Governance)
  5. Wie führen wir ein Vorhaben? (Projektführung)
  6. Worauf ist Verlass? (Informationen)
  7. Welche Werkzeuge helfen? (Digitalisierung)
  8. Wie lernen wir? (Verbesserung)

Vor dem Entscheid: das Prämortem

Bevor aus Ihrem groben Plan ein verbindliches Vorhaben wird, hilft ein letzter Blick aus Kapitel 5. Versetzen Sie sich ein Jahr nach vorn und stellen Sie sich vor, das Vorhaben sei gescheitert. Dann schreibt jeder für sich auf, wie es dazu kam. Der Gewinn liegt nicht in den Antworten, sondern darin, dass Zweifel erlaubt und sogar verlangt sind.

Mehr braucht es zunächst nicht. Nehmen Sie sich eine ruhige Stunde, gehen Sie die beiden Blicke ehrlich durch, allein oder mit den Menschen, auf die es ankommt. Danach wissen Sie, was bereits trägt, wo noch mehr möglich ist und ob überhaupt zusätzliche Unterstützung sinnvoll wäre.

Radikale Klarheit bedeutet nicht automatisch radikale Veränderung. Ein bewusstes «Wir lassen das so» kann ein gutes Ergebnis sein, wenn die Folgen verstanden und getragen werden.

Wenn zusätzliche Begleitung einen echten Unterschied machen kann, entscheiden Sie bewusst, wie Sie weitergehen: aus eigener Kraft oder mit Begleitung, die zu Ihrem Vorhaben passt.

Gute Beratung muss nicht automatisch zu mehr Beratung führen.
Eine umsetzungsfähige Organisation ist nicht die, in der eine Person alles zusammenhält. Es ist die, in der niemand mehr alles zusammenhalten muss.

Wenn Sie für ein anspruchsvolles Vorhaben Begleitung suchen, beschreibe ich unter «Externe Projektleitung und Projektmanagement», wie ich arbeite.

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