Projektmanagement als Organisationsfähigkeit · Teil III · Kapitel 9 von 11
Wissen, das bleibt
Zwei Dinge trennen sich hier sauber: was die Führung delegieren kann und was nicht, und welche Informationen die Organisation selbst festhalten muss.
Wissen in Köpfen ist ein vermeidbares Risiko
Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen dem, was eine Person weiss, und dem, was die Organisation weiss. Solange Wissen nur in Köpfen liegt, verlässt es das Haus, sobald ein Kopf es verlässt. Für eine Organisation ist das kein Pech, sondern ein vermeidbares Risiko, und es zu mindern gehört zur Führungsaufgabe.
Was geschieht, wenn Wissen nur an Personen hängt, zeigt die Geschichte in Kapitel 6.
Was delegierbar ist, und was nicht
Hier lohnt eine feine, aber wichtige Unterscheidung, die oft verwischt wird. Die Klärung selbst, also das Erarbeiten der Grundlagen, das Aufbereiten von Informationen, das Ausarbeiten von Vorschlägen, all das kann und soll delegiert werden. Niemand erwartet von der Führung, dass sie jede Grundlage eigenhändig zusammenträgt. Was sich nicht delegieren lässt, sind die Entscheidungen, die an der Führungsverantwortung hängen.
Die Vorbereitung darf in viele Hände, das Entscheiden bleibt bei der Führung. Diese Grenze sauber zu ziehen, entlastet und schützt zugleich.
Welche Informationen in der Organisation bleiben müssen
Festgehalten werden müssen vor allem die Informationen und Unterlagen, die für Projektführung und Projektsteuerung benötigt werden: Vorgehen, Rollen, Entscheidungslogik und gewonnene Erkenntnisse. Diese Führungs- und Steuerungsinformationen machen Projekte für die Organisation nachvollziehbar und führbar.
Fachliche Projektergebnisse sind etwas anderes. Sie können weiterhin in den dafür vorgesehenen Systemen, Ablagen und Werkzeugen geführt werden. Es braucht dafür keinen zentralen Ablageort für alle Projektinformationen und keine umfassende Wissensmanagement-Lösung für das gesamte Unternehmen.
Warum Organisationen vergessen und was dagegen hilft, vertieft das Buch «Wer entscheidet?» in Abschnitt 12.5.
Wie weit eine Organisation damit schon ist, vom personenabhängigen bis zum selbstlernenden Umgang mit Wissen, zeigt der Reifegrad in Kapitel 7. Festgehaltenes braucht einen Rahmen, der für alle Projekte gilt. Davon handelt das nächste Kapitel.