Denkraum
Die Tabelle ist grün. Aber stimmen die Zahlen?
Im Bericht steht eine Zahl mit zwei Nachkommastellen. Daneben ein grünes Symbol. Im nächsten Meeting wird daraus ein Argument: «Die Entwicklung ist im Plan.» Doch niemand kann sagen, woher die Zahl stammt oder wann sie zuletzt überprüft wurde.
Eine präzise Darstellung macht eine Information noch nicht präzise. Und eine sauber formatierte Tabelle macht eine Annahme nicht zu einem Fakt.
Jede Information hat einen Zustand
Bevor wir aus Zahlen Entscheidungen ableiten, sollten wir wissen, ob sie belegt und aktuell, noch unbekannt, unbestätigt, veraltet, widersprüchlich oder derzeit nicht verfügbar sind. Diese Zustände sind nicht austauschbar.
Beispiel: Ein Lieferant hat eine Dauer von sechs Wochen geschätzt. Solange keine belastbare Zusage vorliegt, ist die Zahl eine Planungshypothese. Steht später «Lieferzeit sechs Wochen» ohne Kennzeichnung im Projektstatus, wird aus einer Schätzung sprachlich ein Versprechen.
Auch Daten mit korrekter Quelle können veraltet sein. Und zwei verlässliche Quellen können unterschiedliche Ergebnisse liefern, wenn sie Verschiedenes messen.
Der Entscheidungs-Test
Nehmen Sie die zwei oder drei Zahlen, auf denen eine wichtige Empfehlung beruht. Fragen Sie bei jeder: Wer hat sie erhoben? Von wann ist sie? Was genau wird gemessen? Handelt es sich um Beobachtung, Schätzung oder Prognose?
Dann folgt die wichtigste Frage: Würde sich unsere Entscheidung ändern, wenn sich diese Angabe als falsch erweist? Wenn ja, hat ihre Überprüfung Vorrang vor zusätzlicher Gestaltung des Berichts.
Das Ziel ist nicht, alle Ungewissheit zu beseitigen. Manche Entscheidungen müssen unter Unsicherheit getroffen werden. Aber dann sollte bekannt sein, welche Unsicherheit akzeptiert wird, wer die Folgen trägt und wann neu geprüft wird.
Beobachtung: Eine Zahl ist im Bericht als sicher dargestellt. Offene Frage: Ist sie tatsächlich ausreichend belegt? Meine Haltung: Wer «Das wissen wir nicht» sagt, liefert keine schlechtere Entscheidungsgrundlage. Er schützt andere davor, eine Vermutung für Gewissheit zu halten.
Weiterdenken: Unsicherheit ist eine Information und Der Mensch entscheidet. Das System schafft Klarheit..
Einordnung: Die sechs Informationszustände sind eine redaktionelle Ordnung aus den veröffentlichten Hosang-Consulting-Texten. Das Zahlenbeispiel ist erfunden, ausdrücklich illustrativ und kein Kundenfall.