Begriffe & Gegenpositionen
Begriffe und Gegenpositionen
37 zentrale Begriffe des Werks und 19 Gegenpositionen, die das Buch selbst nennt. Die Beschreibungen sagen, wie das Buch einen Begriff behandelt, nicht was er allgemein bedeutet.
Fassung v1.0.5 · Oktober 2026
Begriffe
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I
K
M
N
P
R
S
T
U
V
W
Gegenpositionen
Dieses Buch vertritt Thesen, und es stellt ihnen die stärksten Einwände gegenüber, die es kennt. Hier sind sie gesammelt, jeweils mit der Stelle, an der das Buch sie behandelt.
Webhinweis: Nicht jede Gegenposition gehört zu einem der Begriffe oben.
Teil I: Ausgangslage
Evidentialismus (1.4)
Gegen die These, dass jeder Mensch an etwas glaubt, wenn er urteilt. William K. Clifford: Es ist falsch, etwas auf unzureichende Belege hin zu glauben; die Beweislast liegt bei dem, der mehr behauptet. Das Buch nennt die Gegenposition stark und hält fest, dass die Debatte seit Clifford nicht entschieden ist; William James hielt ihm entgegen, manche Fragen verlangten eine Entscheidung, bevor alle Belege vorliegen.
Säkularismus als Verfahren, nicht als Weltanschauung (2.8)
Gegen die These, auch der Säkularismus sei eine Weltanschauung. Jürgen Habermas unterscheidet die Überzeugung, es gebe nichts über die Welt hinaus, von der Neutralität des Staates; religiöse Gründe müssten für staatliche Entscheidungen in eine allen zugängliche Sprache übersetzt werden. Charles Taylor hält dagegen. Das Buch nennt die Kontroverse offen.
Teil II: Der Mensch
Die naturalistische Sicht (3.5)
Gegen die Modelle von Geist, Herz und Seele bei Keller und Sundaram. Der Physikalismus führt Gedanken, Gefühle und moralische Urteile auf physische Vorgänge zurück; der Funktionalismus hält den Geist grundsätzlich auch in anderem Material für möglich.
Kompatibilismus (4.6)
Gegen die Arbeitshypothese, Menschen seien berechenbarer, als ihr Selbstbild annimmt. Vorhersagbares Verhalten beweist nicht, dass die Person bestimmt ist; Freiheit zeigt sich darin, Muster zu erkennen und zu ändern. Das Buch stellt fest, dass seine eigenen Quellen diesen Einwand stützen.
Gefühl als Teil guter Entscheidungen (5.8)
Gegen die Entgegensetzung von Gefühl und Vernunft. Antonio Damasio: Signale aus dem Körper leiten Entscheidungen, besonders in unübersichtlichen Lagen. Das Buch prüft hier die empirischen Behauptungen, nicht den Glauben.
Würde aus Eigenschaften (6.4)
Gegen eine Würde, die nicht an Fähigkeiten hängt. Peter Singer bindet moralischen Status an Eigenschaften wie Empfindungsfähigkeit und Selbstbewusstsein. Das Buch nennt beide Positionen konsequent, und beide haben einen Preis: Die eine kann Menschen nicht vor dem Herausfallen schützen, die andere kann ihren Grund nicht beweisen, sondern nur bekennen.
Klugheit zeigt sich im Handeln (7.8)
Gegen die Unterscheidung von Intelligenz und Klugheit. Wenn ein System in allen Lagen angemessen handelt, warum es nicht klug nennen? Das Buch gesteht zu, dass man Klugheit auch beim Menschen nur am Handeln sieht, und nennt die Grenze: Systeme können sich unter Beobachtung anders verhalten als ohne.
Teil III: Die Maschine
Funktionalismus (8.4)
Gegen die These, dass eine Maschine nicht dasselbe ist wie ein Mensch, auch wenn sie dasselbe kann. Was dieselbe Funktion erfüllt, ist dasselbe. Eine Forschungsgruppe hat 2023 mit diesem Ansatz geprüft, ob Maschinen Bewusstsein haben könnten.
Der Einwand aus dem Zimmer und die Erwiderung darauf (8.5)
John Searle gegen den Funktionalismus: Ein Programm auszuführen genügt nicht für Verstehen. Die bekannteste Erwiderung: Nicht der Mann im Zimmer verstehe, sondern das ganze System. Das Buch hält fest, dass die Debatte nicht abgeschlossen ist.
Der Vorwurf des Speziesismus (8.7)
Gegen den Vorrang des Menschen. Nach der Darstellung von Keach Hagey nannte Larry Page eine von künstlicher Intelligenz dominierte Welt Evolution und das Beharren auf dem Menschen Speziesismus. Peter Singers funktionale Kriterien wären auf eine empfindungsfähige Maschine anwendbar.
Kontrolle ist keine Frage der Intelligenz (9.3)
Gegen die These, dass sich etwas Klügeres als wir nicht kontrollieren lässt. Roman Yampolskiy beruft sich auf seine Unmöglichkeitsresultate; das Buch zeigt, dass sein Aufsatz für den Grenzfall einer sich selbst verbessernden Superintelligenz stark argumentiert, aber keinen allgemeinen Beweis liefert. Andrew McAfee hält dagegen: Die Schwellenargumente seien schlecht definiert und hingen an einer riesigen Annahme, Kontrolle sei eine Frage von Beobachtbarkeit und Infrastruktur, nicht von Intelligenz. Das Buch nennt diese Frage die am besten ausbalancierte des ganzen Materials.
Das Tatsächliche statt des Möglichen (9.6)
Gegen die Konzentration auf Zukunftsszenarien. Ed Zitron wirft den Warnenden vor, heutige Schäden zu übergehen. Das Buch übernimmt seine Zuspitzung nicht, belegt aber, dass es die Fälle gibt.
Die S-Kurve (10.4 und 10.5)
Gegen die These ungebremsten Wachstums. Viele Entwicklungen flachen an Grenzen ab, bei künstlicher Intelligenz an den Daten, an der Energie und an der Welt selbst, in der sich vieles nur durch Versuche herausfinden lässt. Die Gegenrede: Eine künstliche Intelligenz, die sich selbst verbessert, könnte diese Grenzen verschieben. Das Buch hält fest, dass sich das heute weder belegen noch widerlegen lässt.
Teil IV: Entscheidung und Verantwortung
Zwei Einwände gegen Entscheidungskultur (12.7)
Erstens: Technik ist nicht neutral, sie verändert die Menschen selbst (Melvin Kranzberg). Zweitens, im Gegenteil: Kultur lässt sich nicht bauen; Regeln ohne Haltung werden zu Ritualen.
Verpflichtung ohne Gott (13.2)
Gegen Kellers Frage, woher moralische Verpflichtung kommt. Derek Parfit: Es gibt normative Wahrheiten, die weder Gott noch Konsens brauchen. Jürgen Habermas: Gültig sind nur Normen, denen alle Betroffenen unter fairen Bedingungen zustimmen könnten.
Macht lässt sich begrenzen (14.7)
Gegen die These, dass wenige Firmen bestimmen, welche künstliche Intelligenz entsteht. Der Markt ist offen, es gibt offene Modelle, Staaten regulieren, Nutzer können wechseln, und die Firmen haben die Risiken selbst benannt. Das Buch gibt der Gegenposition recht, soweit sie zeigt, dass Macht begrenzt werden kann.
Teil V: Ausblick
Sinn ohne Jenseits (15.4)
Gegen Kellers Darstellung, Säkulare hätten nur selbst geschaffenen Sinn. Im eigenen Wortlaut versteht die Erklärung des modernen Humanismus (Humanists International, 2022) den Humanismus als Quelle von Sinn und Zweck, als Alternative zu dogmatischer Religion und zum Nihilismus.
Der Einwand der Projektion (15.7)
Der Wunsch, dass etwas wahr sei, ist der Ursprung des Glaubens. Das Buch sagt, dass es diesen Einwand nicht widerlegen kann, und hält zweierlei fest: Aus Nützlichkeit folgt nicht Wahrheit, aus Unbeweisbarkeit nicht Falschheit; und der Einwand trifft auch die säkulare Hoffnung auf Fortschritt und Technik.
Was strittig bleibt (16.4)
Am Ende nennt das Buch die Spannungen, die es nicht aufgelöst hat: den Einzelnen und das Ganze, die Entscheidungen weniger Firmen und die Wahl jedes Einzelnen, zwei Arten von Gewissheit innerhalb der christlichen Stimmen und den Einwand von Hans Jonas gegen die zwölfte These des Autors.